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Kapitel 3

Am Samstag der folgende Woche war ich erneut mit Dany verabredet. Meine Eltern im Glauben lassend, ich würde einfach wieder in irgendwelche Bars gehen, die ich mir mit Basti spontan ausschaute, machte ich mich auf den Weg, Dany am Alexa zu treffen. Ich musste mir zugestehen, dass es schon ziemlich merkwürdig ausgesehen haben muss, wie ein Jungsporn wie ich es war mit einem Mann vorangeschrittenen Alters zusammen die Zeit in einer Schwulenbar und auch außerhalb verbrachte. Die Konstruktion vom Stricher und seinem Freier war da nicht weit.
Vom ursprünglichen Plan abweichend, schwimmen zu gehen (denn mit Daniel schwimmen zu gehen war mir unbehaglich) schlug mir Dany vor, das Mann-O-Meter zu besuchen, eine Infozentrale für Schwule, die nebenbei auch ein Freizeitangebot beinhalte.
Auf dem Weg dorthin erzählte er mir von seiner letzten flüchtigen Bekanntschaft, einem kleinen, zierlichen Chinesen, den er im Melitta Sündström kennen gelernt hat. Von dessem notorischem Zwang, alle zehn Minuten aufs Klo zu müssen, berichtete er, und seiner Vermutung, dass er dies entweder aus dem Grund tat, um eine mögliche eingefangene Geschlechtskrankheit mit Heilsalben oder anderweitig zu behandeln oder zum Cruisen beziehungsweise Spannen. Aber sonst hat er ihn, wie mir klar machte, ganz niedlich gefunden. Genauso wie die Augen von Basti, ließ er noch beiläufig fallen. Er schilderte mir, dass er sich nicht sicher was, ob ich ein warmer Bruder wäre oder nicht, als er in den Dönerladen eintrat und mich sah. Doch im Augenblick, als Basti mit seinen verträumten Augen zu ihm aufschaute, war ihm klar, dass wir beide, genau wie er, schwul sein müssten. So unrecht hatte Dany auch garnicht, immerhin war Basti nach eigener Auskunft bisexuell. Von einem großen Glück, dass ich ihn angesprochen habe, denn er hätte sich selbst nie dazu getraut, begann Dany zu schwärmen.
Das Mann-O-Meter trat eher unscheinbar auf; ein von außen schlichtes Geschäft mit einer gelben Neonleuchte. Lediglich zwei in eineiander verhakte Kreise mit dem nach rechts oben zeigenden Pfeil als Zeichen für das männliche Geschlecht ließen auf die Branche, die das Mann-O-Meter bediente, schließen. In der Räumlichkeit selbst wurde ich von HIV-Werbung und nackten Männeroberkörpern überschüttet, sowie einer Fahne in den sechs Farben des Regenbogens.
Am Beratungstisch saß ein hübscher, schwarzhaariger Junge, geschätzt auf etwa fünfundzwanzig, mit einem wunderschönen Gesicht, einem netten Lächeln und einer warmen Ausstrahlung.
"Hi, was kann ich für euch tun?" sagte er in einem ruhigen und besänftigen Ton ohne jeglichen Anflug von Tuckigkeit, wodurch er für mich auf Anhieb symphatisch schein.
"Dieser junge Mann hier", und Dany deutete auf mich "weiß nicht recht, wie er sich outen soll."
In dem folgendem Dreiergespräch erzählte uns der ehrenamtliche Mitarbeiter Johannes seine eigene Gescichte und wie er sich noch unter Narkose-Nachwirkungen stehend bei seiner Mutter geoutet hat. Das Endergebnis unseres Gespträchs war, dass ich wohl nichts zu befürchten hätte, und meinen Eltern getrost die Wahrheit sagen könnte. Zudem hatte mir der hübsche Mitarbeiter nahe gelegt, mal an einem Freitag wieder zu kommen, an dem sich junge Schwule zwischen zwanzig und neuundzwanzig treffen würden, um gemeinsam die Freizeit zu verbringen, kurz zur Veranstaltung "Romeo und Julius".
Ohne wirklichen neuen Erkenntnisstand, und ohne zu ahnen, wie wichtig diese Information des Romeo und Julius Treffen für mich werden würde, verließ ich mit Dany das Mann-O-Meter, um die Heile Welt, eine Bar, die er mir empfahl, aufzusuchen.
"Den würde ich mit Sicherheit nicht von der Bettkante stoßen" entgegnete Dany mir, als uns eine kalte abendliche Brise entgegenströmte und die warme Luft des Mann-O-Meters verdrängte.
Die Heile Welt war im Gegensatz zum Flax eine rustikale, mit Fellen an den Wänden ausgeschmückte, gemütliche Bar. Es dauerte nicht lange, bis wir beide auch einen bequemen Platz auf der Ledercouch fanden, auf der wir uns niederließen und etwas zu trinken bestellten. Wir redeten viel über das schwule Leben, das mir so fremd war. Davon, dass im Grunde jeder Mann nur nach Liebe strebt, aber ein Großteil trotzdem alleine bleibt; von der Gefahr, mit dreißig Jahren und darüber hinaus kaum noch Chancen zu haben, jemanden zu finden; und davon, wie die Mehrheit versucht, jüngere Partner zu ergattern. Dieses ganze Konstrukt machte laut Dany den Hauptpunkt des schwulen Liebeslebens aus.
Kurze Zeit später traffen zwei Typen in der Bar ein, von denen einer meine Neugierde auf sich zog. Er war kein besonderer Typ: Einen kleinen Bauch, kurze Haare, normale Kleidung, aber irgendwie süß. Ich berichtete Dany von meiner Wahrnehmung, aber er speiste mich damit ab, dass, wenn Leute oder Menschen zusammen kommen sollen, das Schicksal schon dafür Sorge tragen würde. Damit zufriedengestellt beließ ich es bei bloßem Bewundern. Als sich die Bar mehr und mehr füllte und die Luft dicker wurde, sind wir wieder aufgesprungen und er zeigte mir die nächste Bar, die sich am Nollendorfplatz tummelte, in die man gehen könne, ohne Angst haben zu müssen auf Stricher oder Freier zu treffen.
Das Blond, wie sich die Bar betitelte, war schrill und farbenfroh gestrichen, und wirkte von dem Klientel wie eine einfache Hetenbar. Der Frauenanteil schien zudem außergewöhnlich hoch zu sein. Wir setzten uns in eine Couchecke, in der sich auch schon ein anderes schwules Päärchen tummelte. Einer der beiden hielt einen Stadtplan Berlins in den Händen und redete auf spanisch zu seinem Freund. Dany, der sich hier sicher sein konnte, nur als Kumpel auftreten zu müssen, fragte auf englisch den, der näher zu ihm saß, was sie denn suchten. Es stellte sich heraus, dass die beiden auf Urlaub in Deutschland waren und das schwule Nachtleben erkunden wollten und somit kein bestimmtes Ziel hätten. Dany, der sich ab diesen Moment in seinem Element befand, schlug dem Mexikaner und dem Barceloner vor, das SchwuZ aufzusuchen. Obwohl er selbst keine Lust mehr hatte, noch etwas zu unternehmen, bot er den beiden dennoch an, sie dorthin zu begleiten. Ich selbst hatte die Nase noch nicht voll genug und wollte selbstverständlich mit gehen um mehr vom schwulen Flair aufsaugen. Ganz heimisch fühlte ich mich zwar noch nicht, aber ich redete mir gut zu, dass das alles noch kommen würde.
Im SchwuZ, das hinter dem Cafe Melitte Sündström versteckt war, verabschiedete sich Matth direkt am Eingang und ließ mich mit den beiden Turteltäubchen in die Tiefen der schwulen Disco zurück.
Ein schmaler, rötlicher Gang führte an einer kuriose, etwas dicklichen Person mit Hasenohren vorbei zu den Treppen, auf denen mit jedem Schritt die Musik lauter und basslastiger wurde. Die Garderobe befand sich direkt an einem der rustikale eingerichteten Dancefloors, die einer altern, nicht mehr benutzten Scheune erinnerten. Zu meinem Glück musste ich kein Geld bezahlen, da mir die beiden freundlichen Begleiter sämtliche Umkosten ausgaben. Das war wohmöglich einer der Gründe, warum ich mir nur eine Sprite bestellte und sonst auf alles weitere verzichtete. Vielleicht war ich aber auch eifnach nicht in Partystimmung, immerhin kannte ich dort niemanden. Um das Päärchen nicht weiter zu belästigen, entschloss ich mich dazu, mich von ihnen zu trennen. So saß ich dann da, alleine an der Bar, mit lauter Musik beschallt und um mich etliche Schwule, die ausgiebig tanzten und feierten. Ich versuchte das Beste aus der Situation zu machen und lächelte munter während ich zu den gespielten türkischen Songs, die eigentlich nicht meinen Geschmack traffen, rhytmisch auf meinem Hocker mitwippte. Hin und wieder passierte es sogar, dass ein Lächeln zurückkehrte, allerdings ohne weitere Folgen. Nach etwa eineinhalb Stunden kehrte das schwule Päärchen zu mir zurück und ich konnte aufatmen. Als sie mir dann noch verkündeten, dass sie planen zu gehen, machte ich innerlich einen Freudensprung und fühlte mich auf eine Art und Weise befreit, da ich nun nicht mehr in der Verpflichtung stand, auf sie zu warten. Nicht, dass ich es überhaupt hätte tun müssen, aber ein Teil in mir sagte, ich sollte nicht schon vorweg gehen. Ein wenig wie eine Macke von mir. Und so kämpften wir drei uns zur Garderobe zurück und tauschten die stickige, verqualmte Luft gegen Kreuzberger Umluft aus. Ich beschloss für mich, nie wieder alleine in eine Disco zu gehen, und verabschiedete mich von den beiden freundlichen Reisenden, als sie in ihr Taxi stiegen.
Der gesamte Tag ging mir durch den Kopf und schien mein Gehirn nur so mit Informationen zu überfluten. Obwohl ich physisch in der Szene war, fühlte sich mein Inneres noch nicht vollständig damit verbunden. Diese Welt war für mich wie eine paralelle Welt zu der, in der ich tagäglich lebte, und die diese nur hauchzart berührte.
Als ich zuhause angekommen war, tröpfelte ich mir ein paar Magentropfen ein, um den wie ich glaubte durch Aufregung entstandenen Unwohlszustand zu beheben, und legte mich nieder. Bald schlief ich daraufhin ein.
13.1.10 18:27
 


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